Philosophie der TZI

Die TZI ist aktueller denn je,
sie hat für mich die Antworten auf so viele Fragen und
sie stellt so viele Fragen, auf die wir Antworten finden müssen.
Sie ist Haltung und Methode zugleich, beides ist untrennbar miteinander verbunden.
Sie ist Aufruf zur Demokratie und fördert gelebte Demokratie in ihren Methoden.
Sie fordert und fördert Menschenrechte und Menschlichkeit, Solidarität und Bildung, soziale Gerechtigkeit und Mit-Verantwortung, Rollenklarheit und Augenhöhe.
Sie macht die Bedeutung von Umwelt- und Naturschutz greifbar.
Alles und alle sind mit allem und allen verbunden.
Verantworte dein Tun und dein Lassen privat und gesellschaftlich und gehe dabei sorgsam mit dir und anderen um.(vgl. Ruth Cohn)

Was steckt für mich/für uns in der TZI?

Lasst mich so anfangen:
Vor 25 Jahren begann ich, TZI zu erleben. Ich war begeistert und wusste nicht, warum. Sie erschien mir einfach, schlicht, um nicht zu sagen banal, aber was machte die Faszination aus? Was ergriff mich im Inneren? Später, als ich mich mit TZI beschäftigte und in meiner Ausbildung voranschritt, fing ich an, erste Zusammenhänge zu begreifen. Ich versuchte, TZI zu verstehen und in der Gesamtheit zu erfassen. Während der Diplomausbildung bildete ich mir ein, ich hätte sie begriffen und neigte teilweise zur Überheblichkeit, nur um zu erkennen, dass mich das in meinem Streben, gemäß TZI zu handeln, nicht weiterbrachte.
Wieder Zweifel und wieder diese Faszination, weiter zu gehen, zu begreifen und die Lebendigkeit zu spüren und auszukosten, die von TZI ausgeht. In und mit der TZI erlebe ich Lebendigkeit. Ich fühle mich lebendig, ich erlebe lebendige Kontakte und lebendiges Lernen. Der Globe (unsere Umwelt und unser Umfeld) rückt ganz nah. Ich erlebe Ohnmacht und Abhängigkeit und gleichzeitig bin ich Teil dieses Globes und damit nicht ohnmächtig, sondern teilmächtig.
Ich erlebe Gestaltungsmöglichkeiten, Solidarität und Mut. Ich erlebe aber auch, dass ich verantwortlich bin: für meine Entscheidungen, für mein Handeln und dessen Auswirkungen auf mich, auf andere, auf die Aufgabe und auf all das, was mich umgibt. Last und Lust, Verzagen und Mut, Hilflosigkeit und Gestaltungsmacht – all das und noch viel mehr ist gleichzeitig da. Ich lerne immer wieder, mich in Spannungsfeldern zu bewegen, die Werte der TZI, die Axiome (Hyperlink) in meinen Entscheidungen zu leben und zu vermitteln. Das gelingt nicht immer, und dennoch habe ich immer wieder die Wahl.
Die beiden Postulate „Schaue nach innen und schaue nach außen und entscheide Dich dann in Verantwortung“ und „Störungen nehmen sich Vorrang“ leiten mich und uns. Danach zu leben, zu leiten und zu lehren dauert nie länger als ein ganzes Leben, wenn du heute damit anfängst (vgl. Ruth Cohn), und das ist gut so.
Viele Gründe und Begründungen für die Komplexität der TZI offenbaren sich mir aus dem Leben von Ruth Cohn, das untrennbar mit der TZI verbunden ist. Die Komplexität lässt mich jedoch auch wieder zweifeln, ob ich TZI überhaupt verstanden habe. Und dann berühren mich Aussagen und Ereignisse aus Ruth Cohns Leben tief im Herzen und ich verstehe – nicht immer mit meinem Verstand. Ich möchte Euch ermutigen, folgenden Auszug von Ruth Cohn mit dem Herzen zu lesen:

"Was möchte ich mit TZI?
Ich möchte, daß jeder Mensch ganz »Ich« sagen lernt,
weil er nur dann seine Erfüllung finden kann;
und in jedem Ich ist bereits das Du und das Wir und die Welt enthalten.

Wenn ich mich tief genug in mich einlasse, meinen Augen und anderen Sinnen traue,
sehe ich auch die Welt draußen -
meine Nächsten, Frau, Mann, Kinder, Freund und Freundin, Menschen auf den Straßen, auf dem Bildschirm, Bäume, Tiere, Häuser, Berge, Meer und Himmel. -

Wenn ich mich ganz auf mich und meine Augen einlasse, sehe ich die Welt, und wenn ich mich ganz auf meine Ohren einlasse, komme ich zu mir.

Wenn ich mich ganz auf meine Ohren einlasse,
höre ich die Stimmen der Kinder und der Autos, der Grillen, der Düsenjäger, das Schreien von Gepeinigten, das Flüstern von Bedürftigen, den Jubel der Frohen, die Meereswellen, den Wind.

Wenn ich mich ganz auf meine Gefühle und Sinne einlasse,
freue ich mich über den Geruch der Maiglöckchen, die Sonnenstrahlen auf den Locken eines Kindes, die Anerkennung von Freunden und Fremden, den Besuch von Menschen, die ich gernhabe, eine liebende, zärtliche, elektrisierende Umarmung eines Geliebten, das Bewusstsein, daß ich einem Menschen Hilfe geben konnte, daß jemand zu mir kam, als ich ihn brauchte.

Ich bin traurig,
wenn ich mich mit meinen Gedanken und Gefühlen allein gelassen fühle, wenn ein geliebter Mensch stirbt oder mich verläßt, wenn etwas, an dem mir viel liegt, nicht gelingt, wenn ich an Kriege denke und an Gewalt und wenn ich Abfall in Gebirgsbächen sehe oder den grausigen Schmutz in den City-Straßen, wenn ein Kunstwerk mutwillig oder nachlässig zerstört wird.
Meine Freude und meine Trauer sind umso tiefer, je mehr ich der Welt zugehöre mit meinem Gefühl.

Wenn ich mich tief in mein Gefühl einlasse, komme ich zur Welt.
Und wenn ich mich in meinen eigenen Körper einlasse?
Zunächst scheine ich wirklich nur mich zu spüren, meine Haut, mein Gewicht, meine Schmerzen, mein Nachgeben, meinen Atem.
Ja, zunächst scheine ich nur das Spüren zu sein.
Doch gerade wenn es Schmerzen sind und Spannungen und ich mich tief genug auf sie einlasse,
geschieht etwas, was ich nicht mache,
was in Richtung Heilung geht und in Richtung Raum und Luft und einer zeitlichen Zeitlosigkeit, einer räumlichen Raumlosigkeit -
ein Getragenwerden.

Ich habe nie verstehen können,
warum der Körper so abgelehnt wurde von unseren Religionen.
Gerade der Körper scheint mir der sicherste Bote des Geistigen zu sein;
und dieses Geistige, das durch mich hindurch geschieht, kann ich nur religiös verstehen - ebenso wie Inspirationen (das Eindringen des Geistes) im Dichten oder Denken.

Und wenn ich mich nicht dem Körper, sondern dem Außen zuwende –
wenn ich die Welt betrachte, das Licht, das Holz, die Schmetterlinge, die Eisenbahn, die Flugzeuge,
dann sehe ich sie mit meinen Körper-Augen
und erkenne, dass ich Augen habe;
und wenn ich dem Lärm der Straße zuhöre, dem Quietschen der Autos, den Signalen der Feuerwehr oder dem Wind in den Bäumen und dem Rufen der Kinder oder Vögel,
dann weiß ich, daß ich Ohren habe, dann bin ich »ganz Ohr«.
Und wenn ich das Licht im Haar des Kindes sehe, finde ich meine Freude. -
Was ich sagen will ist,
daß Drinnen und Draußen - die Selbstverwirklichung, die Weltverwirklichung - sich in mir in Autonomie und Interdependenz treffen.
Ich erlebe, daß ich umso autonomer bin, je mehr ich mir unserer Interdependenz bewußt werde, und umso gemeinschaftlicher, je mehr ich meine Eigenart pflege.

Ich möchte aus meinem Zimmer, aus meiner Blumen- und Wasserfall- und Vogelwelt heraus Augen haben, die über die Wiesen und Berge und über nationale Grenzen und Meere hinausschauen können zu den Booten, die auf kalten Wellen schwimmen, mit Frauen und Kindern, die von Piraten vergewaltigt und des letzten Reiskorns und der letzten Kleidung beraubt werden.
Ich möchte Ohren haben, die Schreie der Versinkenden zu hören, und die Schreie von Männern in Folterkellern, denen hungrige Hunde ihre mit Fett bestrichenen Penisse abfressen, und die Schreie der Kinder und Eltern, die gegenseitig die Pein des Marterns ihrer Geliebten mit anschauen müssen.
Ich möchte Menschen, die all dieses Leid nicht wollen, ermutigen, nicht zu resignieren und sich ohnmächtig zu fühlen,
sondern
ihre Vorstellungskräfte und ihr Handlungsvermögen einzusetzen, um sich solidarisch zu erklären und zu verhalten, solange wir selbst noch autonome Kräfte in uns spüren.
Das ist das Eigentliche, was ich mit TZI möchte.“
Ruth C. Cohn aus „Gelebte Geschichte der Psychotherapie“ Seiten 373-375), 1984

Die TZI ist aktueller denn je,

  • sie hat für mich die Antworten auf so viele Fragen und
  • sie stellt so viele Fragen, auf die wir Antworten finden müssen.
  • Sie ist Haltung und Methode zugleich, beides ist untrennbar miteinander verbunden.
  • Sie ist Aufruf zur Demokratie und fördert gelebte Demokratie in ihren Methoden.
  • Sie fordert und fördert Menschenrechte und Menschlichkeit, Solidarität und Bildung, soziale Gerechtigkeit und Mit-Verantwortung, Rollenklarheit und Augenhöhe.
  • Sie macht die Bedeutung von Umwelt- und Naturschutz greifbar.

Alles und alle sind mit allem und allen verbunden.
Verantworte dein Tun und dein Lassen privat und gesellschaftlich und gehe dabei sorgsam mit dir und anderen um. (vgl. Ruth Cohn)